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"Wir sind dann mal weg"

Arbeitsklima Index

Wechselbereitschaft am österreichischen Arbeitsmarkt erreicht Spitzenwert

Grafik: Anteil Beschäftigte im Home-Office

In den USA haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie Millionen Beschäftigte ihre Jobs gekündigt. Auch in Österreich denken immer mehr Menschen über eine berufliche Veränderung nach. Der Arbeitsklima Index zeigt, wie sich die Wechselbereitschaft in unterschiedlichen Branchen und Beschäftigtengruppen hierzulande entwickelt hat. Ergebnisse wurden am 10. Februar im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

Die große Auswanderung aus schlechten Jobs

Innerhalb eines Jahres haben in den USA mehr als 30 Millionen Beschäftigte ihren Job gekündigt. Dieses Phänomen – „The Great Resignation“ genannt – ist auch schon in Großbritannien und Australien zu beobachten. Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer rund um den Globus „verzichten“ auf schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Entlohnung, fehlende Wertschätzung und hohes Infektionsrisiko. Gleichzeitig klagen Unternehmen zunehmend, keine geeigneten Fachkräfte zu finden und offene Stellen nicht mehr nachbesetzen zu können. Dabei hat die große Pensionierung der geburtenstarken 1960er Jahrgänge eben erst begonnen.

Über ein Viertel will wechseln

Auch in Österreich steigt die Zahl der Menschen, die ihren Job wechseln wollen, kontinuierlich an. Waren es im Jahr 2015 noch durchschnittlich 16 Prozent und kurz vor der Corona-Pandemie 20 Prozent, so sagen derzeit 26 Prozent der Beschäftigten in Österreich, dass sie in eine andere Firma wechseln oder einen ganz anderen Beruf ausüben wollen.

  • Besonders hoch ist der Anteil der Wechselwilligen unter Akademiker*innen, Beschäftigten in Gastronomie und Tourismus und jungen Arbeitnehmer*innen.
  • Am stärksten gestiegen ist der Anteil jener, die sich einen neuen Job suchen wollen, im Verkehrs- und Nachrichtenwesen (19 auf 33 Prozent in den vergangenen beiden Jahren). In dieser Branche sind Berufsfahrer*innen, Zusteller*innen und IT-Fachkräfte zusammengefasst.

Schlechte Arbeitsbedingungen motivieren zum Wechsel

Die Gründe, warum Menschen ihren Job wechseln (wollen), sind vielfältig und haben sich durch die Pandemie verändert. Waren vor Corona die individuellen Arbeitsmarktchancen noch die Grundvoraussetzung, tatsächlich den Schritt zur Veränderung zu wagen, so überlegen jetzt immer mehr Menschen einen Jobwechsel auch ungeachtet ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt, etwa wegen schlechter Arbeitsbedingungen, die sie sich nicht mehr gefallen lassen wollen.

  • Im Umkehrschluss heißt das: Wenn Beschäftigte mit ihrer beruflichen Tätigkeit und ihren Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden sind und das Gefühl haben, ihr Arbeitsplatz sei sicher, dann sinkt die Wechselabsicht.

Umgang mit der Pandemie

Ein weiterer Grund, der für viele Beschäftigte eine große Rolle in ihren Überlegungen spielt, beim derzeitigen Arbeitgeber zu bleiben oder den Job zu wechseln, ist durch Corona neu hinzugekommen: Mehr als ein Drittel der Beschäftigten, die sich an ihrem Arbeitsplatz nicht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus geschützt fühlen und ihrem Arbeitgeber im Umgang mit der Pandemie kein gutes Zeugnis ausstellen, möchten ihren Job oder ihre derzeitige Firma in naher Zukunft wechseln.

Der Österreichische Arbeitsklima Index misst und beschreibt seit 25 Jahren vierteljährlich die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Alle Infos zum Arbeitsklima Index, der von SORA und IFES im Auftrag der AK Oberösterreich erhoben wird, finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima.

Bildquelle: MobiusDaXter, CC BY-SA 3.0