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Wie steht es um die Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen?

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Arbeit bis zur Pension in dieser Branche für 65% unwahrscheinlich

Eine Sonderauswertung des Arbeitsklima Index für das BMSGPK untersucht die Arbeitsbedingungen in Österreichs Pflegeberufen (Krankenpflege, Alternpflege und Behindertenbetreuung). Darin wird für Österreich erstmals analysiert, welche Einflussfaktoren ausschlaggebend dafür sind, dass Pflegebeschäftigte den Beruf wechseln möchten oder nicht glauben, ihn bis zur Pension ausüben zu können.

65% der Pflegebeschäftigten hält es für unwahrscheinlich, den Beruf bis zur Pension auszuüben

Die Ergebnisse belegen, dass sowohl körperliche als auch psychische Belastungen in der Arbeit dazu führen, dass Pflegebeschäftigte ihren Beruf entweder wechseln möchten oder nicht bis zur Pension ausüben werden können. Die physischen Belastungen fördern eher den Wunsch, den Beruf zu wechseln, wohingegen die psychischen Belastungen die Einschätzung, nicht bis zur Pension durchzuhalten, verstärken. Aber auch atypische Arbeitszeiten wirken sich negativ auf die Wahrscheinlichkeit, bis zum Pensionsantritt durchzuhalten, aus. Haben Beschäftigte mehr Ressourcen im Sinne von Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten in ihrer Arbeit, halten sie die Ausübung ihrer Tätigkeit bis zur Pension hingegen für wahrscheinlich. 

Zeitdruck, Arbeitsdruck und hohe emotionale sowie körperliche Belastung

Die Belastungen in den Pflegeberufen sind hoch. Die emotionale Belastung sticht dabei am stärksten hervor: 46% der Beschäftigten in der Krankenpflege, 41% in der Behindertenbetreuung und 38 % in der Altenpflege fühlen sich dadurch stark belastet, mehr als 80 % jeweils fühlen sich insgesamt emotional belastet. Der Zeitdruck ist für jeden bzw. jede dritte Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege eine starke Belastung, sowie für 14% in der Behindertenbetreuung. Der häufige Wechsel von Arbeitsschritten und -Abläufen ist für 18% in der Kranken- und Altenpflege sowie für 14% in der Behindertenbetreuung eine starke Belastung. Auch körperliche Belastungen, etwa die Unfall- und Verletzungsgefahr in der Arbeit, belasten Pflegebeschäftigte: 14 % in der Krankenpflege und rund jede oder jeder zehnte in der Behindertenbetreuung und Altenpflege fühlen sich dadurch stark belastet.

Soziale Absicherung, mehr Mitsprache im Betrieb und bei Arbeitszeiten fördern die Zufriedenheit

Die Studie identifiziert konkrete Verbesserungsvorschläge: Der Gesundheit der überwiegend weiblichen Beschäftigten im Pflegebereich würden laut Good-Practice-Beispielen mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung der Dienstpläne oder alternative Modelle zur Schichtarbeit entgegen kommen. Auch mehr Autonomie, Mitsprachemöglichkeiten im Betrieb und insbesondere die soziale Absicherung der Beschäftigten würden zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen.