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Wie polarisiert sind wir wirklich?

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Aktuelle Befunde aus Deutschland und Österreich

Am Freitag, den 15.12. veranstaltete FORESIGHT im Rahmen des Österreichischen Demokratie Monitors ein Hintergrundgespräch zum Thema Polarisierung mit aktuellen empirischen Befunden aus Österreich und Deutschland. Thomas Lux (HU Berlin) und Martina Zandonella (FORESIGHT) zeichneten das Bild einer "zerklüfteten Konfliktlandschaft": keine Spaltung der Gesellschaft in unversöhnliche Lager, aber Konfliktdynamiken anhand einzelner diskursiver "Triggerpunkte".

Nicht gespalten, sondern zerklüftet

Corona-Leugner, Klimakleber, Cancel Culture – kaum ein Begriff prägt mediale Diagnosen aktueller Konflikte so sehr wie „Spaltung". Aber entspricht dieses zugespitzte Bild auch der gesellschaftlichen Realität?

Nein, argumentieren Thomas Lux, Steffen Mau und Linus Westheuser in ihrem aktuellen Buch "Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft". Unsere Gesellschaft zerfalle nicht entlang einer großen Konfliktlinie in zwei unversöhnliche Lager. Vielmehr gebe es unterschiedliche Konfliktdynamiken je nach Thema und Konfliktarena.

Vier Ungleichheitsarenen

Vier solche Arenen haben die deutschen Soziologen im Detail untersucht:

  • Oben-Unten-Ungleichheiten (Konflikte um ökonomische Ressourcen)
  • Innen-Außen-Ungleichheiten (v.a. Migration)
  • Wir-Sie-Ungleichheiten (Konflikte um Anerkennung, Identitätspolitik)
  • Heute-Morgen-Ungleichheiten (v.a. Klimathematik)

Ihr Befund: Es gibt in Deutschland im Zeitverlauf keine zunehmende Polarisierung, aber Konfliktkonstellationen nach je eigenen Logiken und zahlreiche "Trigger".

Demokratiemonitor: Ähnliche Befunde für Österreich

Für Österreich kommt Martina Zandonella aufgrund einer Auswertung von Daten aus dem European Social Survey sowie dem Österreichischen Demokratie Monitor zu ähnlichen Ergebnissen:

  • Es zeigt sich ein langjähriger und breiter Konsens im sozialen und politischen Raum in der Oben-Unten-Arena (also z.B. zu Fragen der Umverteilung);
  • teils sinkende Polarisierung und ein grundlegender Konsens hinsichtlich Wir-Sie-Ungleichheiten (also zum Beispiel Einstellungen zu Homo- und Transsexualität)
  • Die stärksten Meinungsunterschiede zeigen sich bei den Fragen Migration und Klima. Diese schlagen sich allerdinge weniger im sozialen Raum nieder (also anhand von Unterschieden wie Klasse, Alter, Stadt/Land usw.), sondern entlang parteipolitischer Konfliktlinien.

Präsentationsfolien von Martina Zandonella zum Download (PDF)

Über die Referent:innen

Thomas Lux ist Soziologe an der Humboldt-Universität Berlin und Koautor des Buches Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft (mit Steffen Mau und Linus Westheuser).

Martina Zandonella ist Sozialwissenschafterin am SORA-Institut und leitet den Österreichischen Demokratiemonitor.

Der Österreichische Demokratie Monitor wurde 2018 von FORESIGHT ins Leben gerufen und wird seitdem einmal pro Jahr erhoben. Er gibt Auskunft darüber, wie die Menschen zur Demokratie im Allgemeinen und zum politischen System in Österreich stehen. Neben der jährlichen Bestandsaufnahme berichtet der Monitor außerdem über Veränderungen im Zeitverlauf. 
Mehr: demokratiemonitor.at