Landtagswahl Steiermark 2019

Wer hat wen warum gewählt?

Die ORF/SORA/ISA Wahltagsbefragung beruht auf telefonischen Interviews unter 1.223 Wahlberechtigten, die zwischen 20. und 24. November durchgeführt wurden.

Wahlberechtigte zur vorgezogenen Wahl gespalten

Die wahlberechtigten SteirerInnen zeigen sich gespalten zur vorgezogenen Wahl: Ungefähr gleich viele WählerInnen beurteilen die vorzeitige Wahl positiv (27%) bzw. negativ (30%). 41% der steirischen Wahlberechtigten stehen der Entscheidung neutral gegenüber.
Die Beurteilung fällt je nach Partei unterschiedlich aus: Insbesondere SPÖ-WählerInnen äußern sich mehrheitlich kritisch (57%), wohingegen die ÖVP-WählerInnen die Entscheidung positiv (39%) bzw. neutral (43%) beurteilen.

Stimmung im Land: neutral bis positiv

Im Vergleich zur steirischen Landtagswahl 2015 ist die aktuelle Stimmungslage weniger negativ: Rund die Hälfte (53%) sieht keine Veränderung ihres Bundeslandes. Das sind im Vergleich zu 2015 18% mehr. Entsprechend weniger Menschen blicken negativ auf die Entwicklung des Landes zurück: 17% sehen die Entwicklung des Landes negativ, 12% weniger als 2015. Ein Drittel der Wahlberechtigten in der Steiermark schätzt die Entwicklung des Landes positiv ein (28%).
Insbesondere die ÖVP-WählerInnen haben einen positiven Eindruck von der ihres Bundeslandes (61%). Kritischer ist die Stimmung unter den FPÖ- und Grün-WählerInnen: 39% bzw. 61% von ihnen attestieren der Steiermark eine negative Entwicklung. Auch die KPÖ konnte in dieser Gruppe WählerInnen mobilisieren.

Fast zwei Drittel sind zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung

Eine positive Bilanz ziehen die steirischen Wahlberechtigten zur Arbeit der Landesregierung: 56% sind sehr oder ziemlich zufrieden, 29% weniger zufrieden und knapp jede/r Zehnte (9%) ist mit der Arbeit der Landesregierung gar nicht zufrieden.
Die Landesregierung wird vor allem von den AnhängerInnen der beiden Regierungsparteien positiv bewertet – vor allem die ÖVP-WählerInnen äußern sich besonders überzeugt: 90% von ihnen sind sehr oder ziemlich zufrieden. Auch die AnhängerInnen der SPÖ sind zu 70% mit der Arbeit der Landesregierung sehr oder ziemlich zufrieden.
Negativer ist die Bilanz aus Sicht jener WählerInnen, die der FPÖ und den Grünen ihre Stimme gaben: 82% bzw. 64% bescheinigen der Landesregierung ein negatives Fazit.

Welche Themen haben die WählerInnen bewegt?

Unter allen WählerInnen spielten in diesem Wahlkampf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle: 30% diskutierten darüber, aber auch über die Kosten des täglichen Lebens, sehr häufig. Auch die Chancen der jungen Menschen in der Zukunft nahmen einen hohen Stellenwert ein (29% diskutierten häufig darüber).

Ebenso spielten Gesundheitsthemen eine wichtige Rolle - vor allem beid en ÖVP udn SPÖ-WählerInnen (40% bzw. 34%).
Für die FPÖ-WählerInnen standen Integration, Zuwanderung (67%) und Sicherheit (50%) im Vordergrund, für Grüne Umwelt- und Klimaschutz (87%) und die zukünftigen Chancen für junge Menschen (50%). Die AnhängerInnen beider Parteien diskutierten darüber hinaus auch über Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen (42% FPÖ, 34% Grüne).

Wahlmotive: Inhalte entscheidend

Die Parteien konnten im Wahlkampf an die diskutierten Themen anknüpfen: Für alle WählerInnen standen die inhaltlichen Standpunkte ihrer Partien im Vordergrund, bei der ÖVP war überdies der Spitzenkandidat (21%) sehr wichtig, bei der SPÖ war dieser ein Wahlmotiv (12%). Grün-WählerInnen wählten ihre Partei auch, um diese in die Regierung zu bringen (14%). Die FPÖ-WählerInnen wurden darüber hinaus auch durch ein Protestmotiv mobilisiert: 11% von ihnen haben die FPÖ gewählt, weil sie der Ansicht sind, dass ihr im Zuge des Ibiza-Videos Unrecht getan wurde.

Wer hat wen gewählt?

Ausgeprägte Unterschiede nach Geschlecht und Altersgruppen

Es herrscht eine beträchtliche Kluft im Wahlverhalten zwischen den Altersgruppen: In der Wahlbevölkerung über 60 Jahren erreichte die ÖVP fast die absolute Mehrheit (48%). Unter den Jüngeren bis 29 erzielen die Grünen das beste Ergebnis (26%).
Das geschlechterspezifische Wahlverhalten fiel 2019 gering aus. Kombiniert man Alter und Geschlecht ist auffällig, dass die FPÖ fast doppelt so häufig von Männern über 45 gewählt (25%) als von Frauen unter 45 (13%) gewählt wurde. Die Grünen sprechen dabei vor allem die jüngeren Frauen bis 44 an (22%). Die Frauen ab 45 wählten hingegen mehrheitlich die ÖVP (46%).

Wahlverhalten nach formaler Bildung und Erwerbsstatus

In der Unterscheidung nach Berufsgruppen ist unter ArbeiterInnen die FPÖ mit 38% mit Abstand stärkste Partei vor der SPÖ (27%) und ÖVP (18%). Angestellte wählten ÖVP (36%) und SPÖ (20%) sowie FPÖ (16%). Zudem spiegelt sich im Wahlverhalten die Alterskluft wider: Unter den PensionistInnen erreicht dei ÖVP die absolute Mehrheit mit 51%, die SPÖ erhält hier 27% der Stimmen, die FPÖ 11%.
In der Unterscheidung nach formaler Bildung liegt die SPÖ unter Personen mit Pflichtschulabschluss (26%), mit Lehre (27%) sowie ohne Matura (25%) leicht über ihrem gesamten Wahlergebnis. Die ÖVP schneidet mit 48% besonders stark unter Personen mit mittlerem Schulabschluss ab. Die Grünen sind überdurchschnittlich stark unter Personen mit Matura oder höherem Abschluss.

Bevorzugte Koalitionsvarianten

Nahezu alle WählerInnen möchten ihre Partei in der Regierung sehen. Die AnhängerInnen der Regierungsparteien wünschen sich eine Fortsetzung der bisherigen Landesregierung: Bevorzugter Partner ist für ÖVP-WählerInnen die SPÖ (und umgekehrt) für FPÖ- und Grün-WählerInnen die ÖVP.

Rolle der Bundespolitik und Zeitpunkt der Wahlentscheidung

In ihre Wahlentscheidung mit einbezogen haben 47% der Wahlberechtigten die Bundespolitik und Koalitionsverhandlungen, für 52% war die Landtagswahl eine rein steirische Entscheidung, die nicht von der Bundespolitik beeinflusst wurde. Entsprechend hat der Großteil (77%) der steirischen Wahlberechtigten die Wahlentscheidung bereits vor mehr als drei Wochen getroffen.
Eine mögliche türkis-grüne Bundesregierung wird von jeweils rund der Hälfte der Wahlberechtigten positiv (46%) bzw. kritisch (49%) gesehen. Die aktuellen Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene beurteilen vor allem die grünen und schwarzen ParteianhängerInnen positiv: 91% bzw. 59% von ihnen bewerten eine mögliche türkisgrüne Bundesregierung als sehr oder ziemlich gut für Österreich.

Angaben zur Methodik

Links:

Zur ORF/SORA Wahlkartenprognose

Methodik Wahltagsbefragung

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