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Werte gegen die Vertrauenskrise?

Allgemeines

Laut aktueller SORA Umfrage für die AK Kärnten vertrauen 85 Prozent der AK-Mitglieder ihrer Kammer – ein Spitzenwert. Doch was fördert hohes Institutionenvertrauen? Die Politikwissenschaft verweist auf glaubwürdig gelebte und legitime Werte als wichtige Vertrauensbasis.

Finanzkrise als Vertrauenskrise

Die Finanzkrise hat nicht nur das öffentliche Vertrauen in die Wirtschaft erschüttert. Auch das Vertrauen in die Politik ist in Europa in den vergangenen drei Jahren deutlich gesunken: Im EU-Schnitt vertrauten laut EUROBAROMETER Mitte 2007 noch 41 Prozent der jeweiligen nationalen Regierung; Mitte 2011 waren es nur mehr 32 Prozent.

In Österreich stabiles Vertrauen in die Politik

Österreich ist hinsichtlich des Vertrauens in die Politik von der Finanzkrise kaum berührt. Über das vergangene Jahrzehnt zeigt der EUROBAROMETER ein stabiles Vertrauen in Parlament sowie Regierung. Durchschnittlich gaben seit der ersten Messung im Jahr 2003 etwas mehr als die Hälfte der Befragten an, diesen Institutionen eher zu vertrauen.

Werte als Vertrauensbasis

David Easton, Nestor der amerikanischen Politikwissenschaft, hat dem Vertrauen eine spezifische Rolle in seinem Konzept des politischen Systems zugewiesen. Vertrauen sei dann gegeben, wenn wir annehmen, dass sich die von einer Institution vertretenen Werte in der Regel im Verhalten ihres Personals niederschlagen werden. Also beispielsweise, dass Beamte rechtsstaatlich handeln werden, und nicht willkürlich.

Demnach kann Vertrauen nur wachsen, wo Institutionen glaubwürdig für Werte eintreten – und zwar für solche, die wir auch für legitim halten und teilen können. Den Public Value einer öffentlichen Institution darzustellen kann daher ein wichtiger Schritt zur Vertrauensbildung sein.

Nachhaltigkeit gefragt

Vertrauen ist schwer aufzubauen und schnell verspielt. Wo nicht gelebt wird, was eine Institution vertritt und verspricht, verwandelt sich Vertrauen in Misstrauen: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und dieses verlorene Vertrauen lässt sich umso schwerer zurückgewinnen.

Transparenz und Integrität nennt daher der Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler als zentrale Faktoren für eine „Nachhaltigkeitsstrategie“ in Sachen Vertrauensbildung. Ergänzt werden können sie durch formale Kontrollmechanismen, mit denen sich eine Institution gegen das Fehlverhalten einzelner AmtsträgerInnen zur Wehr setzt – siehe den aktuellen Korruptions-Untersuchungsausschuss im österreichischen Nationalrat. Gelingt dies, so wird durch Sanktionen die Wertebasis einer Institution bestätigt und kann – so David Easton – deren Vertrauensbasis sogar gestärkt werden.