News

Systemrelevante Jobs meist weiblich

Projekte

SORA-Studie beleuchtet Arbeitsbedingungen in systemrelevanten Berufen

Copyright: Erwin Schuh

Rund eine Million Beschäftigte arbeiten in „systemrelevanten“ Berufen wie Einzelhandel, Reinigung, Gesundheitsberufen oder Transportwesen. Sie halten das Land am Laufen, doch oft sind ihre Arbeitsbedingungen schlecht und das Lohnniveau niedrig. – Eine aktuelle SORA-Auswertung des Österreichischen Arbeitsklimaindex bringt Licht in die Arbeitswelt dieser Beschäftigtengruppe.

Systemrelevante Arbeit häufig Frauenarbeit

In acht von elf als „systemrelevant“ eingestuften Berufen arbeiten überwiegend Frauen:

  • 88% der Beschäftigten in der Kinderbildung sind Frauen
  • 86% an der Kasse bzw. Regalbetreuung83% der Reinigungskräfte
  • 82% im Bereich Pflege und medizinische Betreuung
  • 80% in der medizinischen Assistenz
  • 78% in der Alten-/Behindertenbetreuung
  • 58% des Lehrpersonals

Niedrige Einkommen in Frauenberufen

Dabei haben gerade jene fünf Berufsgruppen, in denen der Frauenanteil am höchsten ist, Einkommen unter dem österreichischen Durchschnittslohn. Am unteren Ende befinden sich Reinigungskräfte und Einzelhandelsangestellte – sie verdienen im Schnitt weniger als 1.300 Euro netto pro Monat und kommen mit ihrem Einkommen mehrheitlich nur knapp oder gar nicht aus.

Systemrelevant, aber prekär

Beschäftigte in der Reinigungsbranche sind am stärksten von atypischen Arbeitsverträgen betroffen, darunter geringfügige Beschäftigung (14 Prozent) oder Leiharbeit (8 Prozent). Auch Beschäftigte in der Altenpflege und Behindertenbetreuung sowie im Einzelhandel sind häufiger geringfügig, befristet oder als LeiharbeiterIn beschäftigt.

Oftmals haben die Beschäftigen Migrationshintergrund: 56 Prozent der Reinigungskräfte und 22 der Kassa- und Verkaufskräfte kommen meist aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien oder osteuropäischen Ländern.

Hohe Arbeitsbelastung und viele Überstunden

Überstunden gehören für viele der systemrelevanten Beschäftigten zum Arbeitsalltag:

  • 8 von 10 Beschäftigten in der öffentlichen Sicherheit und in Lieferdiensten müssen zumindest gelegentlich Überstunden machen,
  • 7 von 10 in Gesundheit und Pflege und fast ebenso viele Handelsangestellte.

Hinzu kommt in vielen Berufen auch die Arbeit zu Randzeiten, also etwa am Wochenende oder in der Nacht. Das senkt die Lebensqualität und Gesundheit, zusätzlich zu den ohnehin bereits hohen körperlichen und vor allem psyschosozialen Belastungen im Arbeitsalltag.

Durch die hohen Arbeitsbelastungen glauben viele Beschäftigte in den systemrelevanten Berufen nicht, ihre Berufe bis zur Pension ausüben zu können. Mehr als 6 von 10 der über 45-jährigen Beschäftigten in der Pflege, der medizinischen Betreuung oder der Reinigung und sogar 7 von 10 in der Altenpflege und Behindertenbetreuung halten es für unwahrscheinlich, bis zum Pensionsantrittsalter durcharbeiten zu können.

Die Pressekonferenz, bei der die Ergebnisse präsentiert wurden, kann hier nachträglich angesehen werden.

Der Österreichische Arbeitsklima Index misst und beschreibt seit 21 Jahren vierteljährlich die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Die dargestellten Ergebnisse beruhen auf Repräsentativbefragungen von jährlich rund 4.000 unselbständig Erwerbstätigen ab 15 Jahren in Österreich. Alle Infos zum Arbeitsklima Index, der von SORA und IFES im Auftrag der AK Oberösterreich erhoben wird, finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima.