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Freiheitsindex Österreich

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Sozio-ökonomische Ungleichheit dämpft das Freiheitsgefühl

Der Freiheitsindex Österreich wurde im August und September 2020 zum dritten Mal von SORA im Auftrag des NEOS Lab erhoben. Er zeigt anhand von zwei Kennzahlen (Freiheitsgefühl und Freiheitsliebe), wie es um die Wertschätzung der Freiheit in der Bevölkerung bestellt ist.
Der jährlich wechselnde Schwerpunkt befasst sich diesmal mit der demokratischen Freiheit in Zeiten von Covid-19. Um Veränderungen in den Einstellungen zu messen, fand im Jänner und Februar 2021 eine teilweise Wiederholung der Befragung statt.

Trotz Corona: Freiheitsindex bleibt stabil

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es bei der Kennzahl zum Freiheitsgefühl zwei gegenläufige Entwicklungen:

  • Die Menschen in Österreich fühlen sich im Jahr der Corona-Pandemie persönlich etwas weniger frei. Während 2019 noch rund drei Viertel sagten, sie fühlten sich sehr oder eher frei, waren es 2020 nur zwei Drittel. 
  • Gleichzeitig hat sich die Wahrnehmung der Demokratie nach dem Ibiza-Skandal 2019 scheinbar wieder stabilisiert: 2020 sind wieder mehr Menschen der Ansicht, dass die Demokratie in Österreich frei ist.

Da auch das Unsicherheitsgefühl und die Möglichkeit zur Mitbestimmung im Jahresvergleich stabil geblieben sind, bleibt die aggregierte Kennzahl des Freiheitsgefühls auf dem gleichen Niveau wie in den Jahren zuvor: 2020 erreicht sie einen Wert von 5,7 auf der Skala zwischen 0 und 10.

Auch bei der Kennzahl zur Freiheitsliebe – also den Einstellungen demokratischer Freiheiten gegenüber – zeigen sich trotz Corona kaum Veränderungen.

Sozioökonomische Ungleichheit dämpft das Freiheitsgefühl

  • Jene Menschen, deren Einkommen nicht ausreicht und deren künftige finanzielle Absicherung eher schlecht ist, fühlen sich deutlich eher unfrei, sie erzielen einen Indexwert von 4,1.
  • Hingegen erreichen Menschen, die sich im obersten sozioökonomischen Drittel befinden mit 6,6 einen weitaus höheren Indexwert.

Somit bleibt die Rolle sozioökonomischer Ungleichheit in Hinblick auf das Freiheitsgefühl unverändert – sozioökonomische Ungleichheit dämpft das Freiheitsgefühl. Insbesondere das Vertrauen in die Wirksamkeit der Demokratie ist unter jenen Menschen, deren Einkommen nicht zum Leben ausreicht, schwächer ausgeprägt.

Junge von Pandemie besonders belastet

Die Corona-Krise bringt Freiheitseinschränkungen für die gesamte Gesellschaft mit sich. Unter den Bis-29-Jährigen ist die Wahrnehmung von Einschränkungen besonders ausgeprägt: Rund drei Viertel (72%) sehen sich mit sehr bzw. ziemlich starken Freiheitseinschränkungen durch die Krise konfrontiert.

Demonstrationsrecht unter Druck

Im Vergleich zum Freiheitsgefühl haben sozioökonomische Ungleichheiten auf die Freiheitsliebe keine Auswirkungen. Auch sie ist im Jahresvergleich stabil geblieben und erreicht heuer einen Wert von 6,9.
Veränderungen zu den Ergebnissen der Vorjahre gibt es allerdings in den Einstellungen zu Überwachungsmaßnahmen:

  • Während mehr Menschen als 2019 die Überwachung öffentlicher Plätze per Video und das Abhören von Telefongesprächen bzw. Online-Kommunikation ablehnen,
  • werden hingegen Einschränkungen des Demonstrationsrechts unter gewissen Umständen deutlich stärker befürwortet als im letzten Jahr. 
  • Wird über Einschränkungen dieses Grundrechts zum Zweck der Erhöhung der Sicherheit diskutiert, erhält es mehr Zustimmung, als wenn das Demonstrationsrecht als Freiheitsbeschränkung bezeichnet wird.

Akzeptanz und Vertrauen in die Corona-Maßnahmen sinken

Der Freiheitsindex zeigt, dass im Laufe des letzten Jahres die Akzeptanz und das Vertrauen in die wissenschaftliche Basis der Corona-Maßnahmen stark gesunken ist, obwohl die Infektionsangst stabil bleibt.

Zugleich berichten 4 von 10 Menschen in Österreich, dass sie den Überblick über die geltenden Maßnahmen verloren haben, unter der jüngeren Bevölkerung (unter 45) ist es mehr als die Hälfte.

Die gesamte Studie steht hier zum Download (PDF) zur Verfügung.

Die Ergebnisse wurden auch im Podcast "Am Punkt mit Lukas Sustala" vorgestellt und können hier nachgehört werden.

Über den Freiheitsindex Wie frei fühlen sich die ÖsterreicherInnen? Ist Selbstbestimmung wichtiger als soziale Gleichheit, oder überwiegt das Sicherheitsbedürfnis? Diese und andere Fragen werden mit dem Freiheitsindex untersucht, der von SORA im Auftrag des NEOS Lab entwickelt und 2018 erstmals präsentiert wurde.
Der Freiheitsindex dient als „Frühwarnsystem“ zur Sicherung von Freiheit und liberaler Demokratie, aber auch als Maßstab, wie gut es gelingt, individuelle und gesellschaftliche Freiheitsrechte kontinuierlich neu zu verhandeln und zu verwirklichen. Er wird jährlich im Rahmen des Österreichischen Demokratie Monitors erhoben.