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Freiheitsindex 2022

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Pandemielage entschärft, Freiheitsgefühl stagniert dennoch auf Tiefpunkt

Der Freiheitsindex Österreich wurde von Anfang September bis Mitte Oktober 2022 zum fünften Mal von SORA im Auftrag des NEOS Lab erhoben. Er zeigt auf, wie es um das Freiheitsgefühl der Menschen in Österreich in unterschiedlichen Bereichen bestellt ist. Zudem wurde 2022 untersucht, wie das Freiheitsgefühl gestärkt werden kann.

Psychische Belastungen stagnieren auf hohem Niveau

Obwohl sich die Pandemielage im Vergleich zum Vorjahr deutlich entschärft hat und es keine gesundheitspolitischen Einschränkungen mehr gibt, sind die pandemiebedingten Belastungen nicht zurückgegangen. Die psychosoziale Situation ist unverändert hoch: Nach wie vor sind rund vier von zehn Menschen von einer Verschlechterung der psychischen Situation betroffen. Insbesondere junge Menschen trifft dies hart, denn mit 49% berichtet rund die Hälfte der unter 30-Jährigen von einer Verschlechterung in diesem Bereich.

Finanzielle Belastungen gestiegen, 8 von 10 müssen sich wegen Teuerung einschränken

Im Zuge der Teuerung gibt es auch für die finanziellen Belastungen keine Entwarnung: Berichteten im Jahr 2021 noch 32% der Menschen in Österreich davon, dass sich ihre finanzielle Situation seit Pandemiebeginn verschlechtert hat, sind es 2022 bereits 49%. Dieser Anstieg ist vor allem auf eine Verschärfung der Situation in der Mitte zurückzuführen. Im mittleren ökonomischen Drittel berichtet aktuell mit 51% rund die Hälfte von einer Verschlechterung der finanziellen Lage, 2021 waren es hier noch 32%. Im unteren ökonomischen Drittel sind nach wie vor rund sieben von zehn Menschen von finanziellen Einschnitten betroffen. Dieser Anstieg der finanziellen Belastung ist unter anderem auf die Teuerung zurückzuführen, wegen der sich acht von zehn Menschen in Österreich im Alltag einschränken müssen, ein Viertel berichtet von sehr starken Einschränkungen.

Auswirkungen: Vertrauen leidet unter Korruptionsvorwürfen, Ungleichheit gestiegen

Neben den Auswirkungen von Pandemie und Teuerung leidet das Vertrauen in die Politik unter den Korruptionsvorwürfen: Rund drei Viertel sind davon überzeugt, dass sich in der Politik gut Situierte ausmachen, was im Land passieren soll. Zugleich hat 2022 mit 56% die Mehrheit der Menschen das Gefühl, von der Politik wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. 2021 bejahte dies noch rund die Hälfte. Wiederum ist dieser Anstieg auf die Mitte zurückzuführen.

Freiheitsgefühl stagniert auf Tiefpunkt, gebremst von Ungleichheit

Den Kern der Erhebungen des Freiheitsindex bildet seit 2018 die Untersuchung des Freiheitsgefühls. Bereits im Jahr 2021 ist das Freiheitsgefühl auf einem Tiefpunkt angekommen, 2022 stagniert dieser Negativtrend und mit 23% fühlt sich rund ein Viertel der Menschen (eher) unfrei. Während die Erhebungen seit Beginn zeigen, dass ökonomische Ungleichheit das Gefühl von Freiheit bremst, treten auch akute Verschärfungen hinzu: Die Verschlechterung der psychischen oder finanziellen Situation seit Ausbruch der Pandemie dämpft das Freiheitsgefühl ebenso deutlich. Aber auch der Vertrauensverlust aufgrund der Korruptionsvorwürfe sowie das Gefühl, von der Politik wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden, hindert die Menschen daran, sich freier zu fühlen.

Wie frei fühlen sich die Menschen in Österreich? Diese und andere Fragen werden mit dem Freiheitsindex untersucht, der von SORA im Auftrag des NEOS Lab entwickelt und 2018 erstmals präsentiert wurde.
Der Freiheitsindex dient als „Frühwarnsystem“ zur Sicherung von Freiheit und liberaler Demokratie, aber auch als Maßstab, wie gut es gelingt, individuelle und gesellschaftliche Freiheitsrechte kontinuierlich neu zu verhandeln und zu verwirklichen. Er wird jährlich als Zusatzerhebung im Rahmen des Österreichischen Demokratie Monitors erhoben.