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Emotionale Intelligenz in der Politik

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Bleiben durch Emotionen in der Politik die Inhalte endgültig auf der Strecke? Das Gegenteil ist der Fall, so das Fazit einer Podiumsdiskussion, zu der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer am 29. Juni ins Palais Epstein geladen hatte: Politik braucht Emotionen ebenso wie kühle Vernunft.

In Kooperation mit der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure und dem SORA Institut stellten Herausgeber Christoph Hofinger und Gerlinde Manz-Christ mit Mitautor Thomas Hofer das Buch "Emotions in Politics and Campaigning" vor, das erstmals Beiträge aus Wissenschaft und Praxis zum Thema Emotionen in politischen Auseinandersetzungen vereint.

Gute Fakten, böse Emotionen?

Hier die „guten“ Zahlen und Fakten, dort die „bösen“ Emotionen: Gegen dieses verkürzte Bild forderten die ReferentInnen am Podium mehr emotionale Intelligenz in der politischen Kommunikation ein. Emotionen seien Teil der menschlichen Natur, die sich im Laufe der Evolution als Kompass zur Entscheidungsfindung in komplexen Situation bewährt hätten. In den letzten Jahren haben insbesondere Fortschritte in Linguistik und Neurowissenschaften daher ein neues Bild von den vielfältigen Beziehungen zwischen Emotion und Kognition eröffnet. Das alte Bild von den Emotionen als dem bloßen Störfaktor der reinen Rationalität werde zu Recht verabschiedet.

Keine Angst vor der Emotionalisierung

Von der österreichischen Politik fordert Politikberater Thomas Hofer, hochemotionale Kampagnen wie jene der FPÖ auch mithilfe emotionaler Botschaften zu kontern und ortet diesbezüglich ein zu passives Verhalten. Dass emotionale Kampagnen nicht per se niedrige Instinkte im Menschen bedienen, belegt Christoph Hofinger mit Hinweis auf harte Daten aus der Hirnforschung: Nicht nur Angst und Neid, sondern auch Solidarität, Zusammenarbeit und Altruismus seien in unseren Gehirnen verankert. Gegenüber der Angst, so seine These, sei positiver Enthusiasmus letztlich die stärkere Emotion, wenn auch schwieriger authentisch zu vermitteln. Freilich: Das Augenmerk auf den Faktor Emotion dürfe nicht verdecken, dass eine vitale Demokratie ohne hohe Qualität auf der Sachebene und eine starke, kritische Öffentlichkeit nicht möglich sei.

Über das Buch

Das Buch „Emotions in Politics and Campaigning“ vereint zu diesem Thema erstmals Beiträge von führenden WissenschaftlerInnen und von Profis aus der Politikberatung. Die AutorInnen zeigen, warum Emotionen immer an unseren Entscheidungen beteiligt sind und wie Kampagnen erfolgreich „Herz und Hirn“ erreichen können.

Mehr zum Inhalt und eine Leseprobe finden Sie hier.

Bestellmöglichkeiten

Auf Amazon.co.uk oder direkt beim Verlag.

Über die Herausgeber

Christoph Hofinger ist Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter von SORA Institute for Social Research and Consulting. Studium der Germanistik, Publizistik und Psychologie, Postgraduate in Soziologie am IHS in Wien; seit 1989 in der Sozialforschung tätig; Politikberater für zahlreiche erfolgreiche Kampagnen sowie Publikationstätigkeiten zum Thema Politik und Kampagnen; in der Periode 2008-2010 Präsident der European Association of Political Consultants (EAPC); Board Member und European Secretary der International Association of Political Consultants (IAPC). Zahlreiche Lehraufträge zur empirischen Wahl- und Sozialforschung and den Universitäten Innsbruck und Wien.

Gerlinde Manz-Christ leitet seit 2001 die Stabsstelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei der Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Sie hat eine neue Kommunikationsstrategie für das Fürstentum Liechtenstein entwickelt und umgesetzt. Während ihrer 15 Jahre als Karrierediplomatin im österreichischen Außenministerium war sie auf Auslandsposten in Dakar, Tel Aviv, New York, und leitete die Presse- und Informationsabteilung in Wien. Gerlinde Manz-Christ ist Präsidentin der EAPC in der Periode 2010-2012.