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Das Framing-Versagen des politischen Zentrums

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Christoph Hofinger analysiert die Bundespräsidentschaftswahl 2016 für den "Falter"

Trotz 49,7% für Norbert Hofer: Die Mitte hat ein viel breiteres Wertespektrum als die FPÖ. Warum versagen die Zentrums-Politiker dabei, diese Werte anzusprechen? Einblicke in die hohe Kunst des Framings.

Polarisierung der Bevölkerung...

Die Entscheidung zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen zwinge die Bevölkerung in eine Polarisierung: Die Menschen hätten sich jetzt anhand ihres Kreuzes am Stimmzettel in Anhänger linker Willkommenskultur und rechter Ausländer-raus-Haltung aufgeteilt, interpretierten viele Beobachter die Stichwahl. Eine fundamentale Fehleinschätzung.

... oder Value Shifters in der Mehrheit

Sie beruht auf dem Irrtum, dass Menschen grundsätzlich ein kohärentes, in sich schlüssiges Weltbild hätten. Manche haben dies tatsächlich, aber sie sind in der Minderheit. Gerade die Flüchtlingsthematik ist ein Lehrbeispiel dafür, dass die politische Mitte von Menschen bevölkert ist, die „Value Shifters“ genannt werden.

George Lakoff, Nestor des politischen Framings, nennt diejenigen Menschen Value Shifters, die aus unterschiedlichen Perspektiven – meist aus einer rechten und einer linken – auf das gleiche Thema blicken können. Ihre Haltung zu ein und derselben Sache kann wechseln, je nachdem, wie darüber gesprochen wird. Ihnen geht es wie den Betrachtern eines Vexierbildes, auf dem ein Schmetterling oder zwei Gesichter zu sehen sind. Die Interpretation kann hin und her springen.

Am Beispiel der Flüchtlingsdebatte

In einer Sora-Umfrage von Mai dieses Jahres stimmen mehr als 50 Prozent der Österreicher sowohlPro-Flüchtlings- als auch Abschottungs-Aussagen zu. Diese Value Shifters werden in Österreich schlecht bedient.

Das erstaunliche ist ja nicht, dass die FPÖ an die ängstliche und verärgerte Seite appelliert hat – das ist aus ihrer Sicht schlüssig, denn unter jenen, die eine falsche Entwicklung des Landes wahrnehmen, hat die FPÖ mittlerweile
enorme Mehrheiten.

Zentrums-Politiker haben freiheitliche Frames bedient

Was viel weniger schlüssig, sondern vielmehr grotesk ist: Die Politiker des Zentrums haben enorm viel dazu beigetragen, dass fast nur noch die FPÖ-Perspektive auf die Lage der Nation sichtbar ist. Denn sie haben in ihrer Wortwahl jene Diagnosen und Zielsetzungen aufs Tapet gebracht, die nicht ihrem eigenen – sozialdemokratischen oder christlich-sozialen – Wertekanon entsprechen, sondern dem von rechtsaußen.

Fachlich gesprochen: Politische Sprache funktioniert über Frames, durch ein in Worte gegossenes Weltbild. Und was die Wählerinnen und Wähler der Mitte von Zentrumspolitikern wieder und wieder gehört haben, sind freiheitliche Frames.

Schmied und Schmiedl

Besonders unattraktiv macht sich die Partei, die die Frames der anderen nachplappert. Der Schmiedl hat zwei Nachteile gegenüber dem Schmied, die beide für sich genommen schwer wiegen:
Erstens kann’s der Schmied natürlich besser, und zweitens disqualifiziert sich der Schmiedl als politische Führungsfigur. Denn durch das Framing im politischen Wertekanon der Konkurrenz demonstriert der Schmiedl Schwäche.

Der Schmied wird immer sagen: Wenn wir Menschen von A nach B bringen wollen, brauchen wir Ketten, und ich kann sie am besten herstellen. Der Schuster, der sich nicht überflüssig machen will, müsste dagegen sagen: Um den Weg zu schaffen, brauchen die Menschen Schuhe, also machen wir ihnen welche.

Auch die Schuster der Faymann-Regierung haben sich als Gesellen beim Schmied angedient, und zwar mit solchem Enthusiasmus, dass alle glauben, die Eisenwarenbranche biete die Lösung sämtlicher Probleme im Lande.

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