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25 Jahre Arbeitsklima Index

Arbeitsklima Index

Arbeitszufriedenheit im Wandel der Zeit

Der Arbeitsklima Index wurde 1997 auf Initiative der Arbeiterkammer Oberösterreich von SORA und IFES entwickelt und bietet differenzierte, evidenzbasierte Einblicke in die österreichische Arbeitswelt. Heuer feiert der Arbeitsklima Index sein 25. Jubiläum. Wie hat sich die Arbeitszufriedenheit seit 1997 entwickelt?

Entwicklung der Arbeitszufriedenheit

Der Index startete vor 25 Jahren bei 100 Punkten. Ihren Höhepunkt erreichte die Arbeitszufriedenheit in den Jahren 2007 und 2008, als die Hochkonjunktur die Beschäftigten positiv stimmte und der Arbeitsklima Index auf nie wieder erreichte 112 Punkte stieg. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ließ ihn auf 107 Indexpunkte sinken, auf diesem Niveau stagnierte die Stimmung der Beschäftigten bis in die Zehnerjahre hinein. Der aufkeimende Optimismus der Jahre 2018 und 2019 wurde vom Corona-Virus jäh gestoppt. Seit März 2020 befindet sich der Index im Sinkflug. Mit 103 Punkten liegt er derzeit auf dem tiefsten Stand seit Herbst 1998.

Ältere und weiblichere Arbeitswelt

Die Arbeitswelt ist in den vergangenen 25 Jahren deutlich bunter, älter und weiblicher geworden: Das Durchschnittsalter ist um fünf Jahre auf 41 Jahre gestiegen, gleichzeitig verlassen immer mehr Beschäftigte den Arbeitsmarkt in Richtung Pension. Fast die Hälfte aller Beschäftigten sind heute Frauen, rund ein Fünftel sind Migrant*innen. Gerade diese beiden Gruppen finden auf dem Arbeitsmarkt aber immer seltener jene stabilen und existenzsichernden Jobs vor, wie es sie bis Ende der 1990er Jahre noch häufig gegeben hat.

Weniger Vollzeit, mehr Leiharbeit

Ende der 1990er Jahre arbeiteten 85% der Beschäftigten in Vollzeit, heute sind es nur noch 70%. Die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse hat sich mehr als verdoppelt (aktuell 335.217), die Zahl der Leiharbeitsverhältnisse mehr als verfünffacht (rund 76.000). Auch Freie Dienstverhältnisse und Soloselbständigkeit haben deutlich zugenommen. Das hat zur Folge, dass immer mehr Menschen Erfahrungen mit prekären Arbeitsverhältnissen und Phasen der Arbeitslosigkeit machen. Waren Ende des vergangenen Jahrhunderts noch 20% der Beschäftigten über 50 Jahre irgendwann in ihrem Leben arbeitslos, so waren es im vergangenen Jahr mit 44% bereits mehr als doppelt so viele.

Art und Inhalte der Arbeit

Nicht zuletzt haben sich Art und Inhalte der Arbeit verändert. Die Arbeitswelt ist digitaler und flexibler geworden, sowohl hinsichtlich der Einsatzgebiete, der Arbeitszeit als auch der Arbeitsorte. Die Modernisierung bringt eine zunehmende Spaltung mit sich: Während gut ausgebildete Berufsgruppen von den Flexibilisierungen profitieren und beruflich aufsteigen können, werden andere abgehängt. Vor allem Arbeiter*innen in technischen Berufen oder Dienstleistungsberufen erleben berufliche Abstiege. Diese Entwicklung wurde durch die Pandemie nochmals beschleunigt.

Wirtschaftlicher Optimismus als Indikator

Die Pandemie sowie die wirtschaftlich angespannte Lage dämpfen auch den Optimismus der Beschäftigten: aktuell ist nur etwas mehr als die Hälfte optimistisch, was die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs angeht. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung stellt einen wichtigen Indikator für die Stimmung in der Arbeitswelt dar, weil die eigene Arbeitsplatzsicherheit oder die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eng damit zusammenhängen. So sank der wirtschaftliche Optimismus unter dem Eindruck der Finanzkrise 2008 in allen Berufsgruppen. Aber es waren vor allem Arbeiter*innen der Industrie, Menschen mit geringer formaler Bildung, Leiharbeiter*innen und Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverhältnissen, die sich deutlich häufiger Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen mussten. Eben jene Gruppen sind es, die gemeinsam mit Arbeiter*innen im Dienstleistungsbereich am stärksten von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen waren und die häufiger Sorge um ihren Arbeitsplatz hatten.