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Die empirische Evaluation von Qualitätsprofilen im ORF Qualitätssicherungssystem

Projekte

SORA Forschung zur Medienqualität im Auftrag des ORF

  • Kurzfassung von: Oberhuber, Florian (2012): Auf dem Weg zum Publikum. In: Texte. Öffentlich-rechtliche Qualität im Diskurs Nr. 8, S. 17-20. (Online-Link)

Medienqualität und das Publikum

Seit gut zwei Jahrzehnten wird im deutschsprachigen Raum systematisch über Qualität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskutiert. Einfache Antworten und einheitliche, stets gleichermaßen anwendbare Kriterienkataloge für qualitativ hochwertigen Journalismus hat diese Debatte erwartungsgemäß nicht hervorgebracht. Was Qualität ausmacht, so die Meinung in der Praxis wie den Wissenschaften, lässt sich nicht gegenstands-, kontext- und zeitunabhängig festschreiben. Eine „ebenso dauerhafte wie zugleich multivalente, mitunter diffuse, jedenfalls unfixierbare Qualitätsbemühung“ ortete in diesem Sinne der stellvertretende Programmdirektor des ZDF, Hans Janke.  Qualitäten sind nicht objektiv gegeben, sondern Beobachterkonstrukte,  so der analoge Befund in wissenschaftlicher Terminologie.

Diese Kontext- und Beobachterabhängigkeit sollte jedoch keineswegs den Weg in einen Qualitäts-Relativismus ebnen, sondern zeigt die Notwendigkeit auf, das Bemühen um Qualität als diskursiven Prozess mit möglichst vielen Beteiligten zu etablieren. Wenn Qualität nicht objektiv „gefunden“ oder von Expertengremien verordnet werden kann, so muss sie gesellschaftlich ausgehandelt werden. Der Justitiar des Deutschlandfunks, Dieter Stammler, schlug in einer Publikation aus dem Jahr 2006 in diesem Sinne den Aufbau einer übergreifenden Plattform unter Beteiligung von Forschung, Medienverantwortlichen, Politik und gesellschaftlichen Einrichtungen und Initiativen vor.

Doch auch die Rolle des Publikums wurde und wird im Diskurs über Medien-Qualitäten reflektiert und neu bewertet. Publikums-Akzeptanz und Zielgruppen-Adäquanz, so die etablierte These, ist für Qualität konstitutiv. Nur wenn die gebotenen Inhalte auf RezipientInnen-Seite auch ankommen, verstanden und verarbeitet werden, kann Qualität wirksam und sozial relevant werden.

Qualität erweist sich aus dieser Perspektive als gemeinsames Projekt von Rundfunkanbietern und Publikum, denn beide sind gleichermaßen aufeinander angewiesen. Dies gilt insbesondere im Horizont der Debatte um „Public Value“ als neuem Leitbegriff für öffentlich-rechtliche Anbieter: Wenn das Publikum Qualität nicht wahrnimmt bzw. nicht annimmt, kann auch kein Public Value generiert werden, also beispielsweise keine informierte, kritische und engagierte Öffentlichkeit. Öffentlich-rechtliche Qualität ist ohne das Publikum nicht zu habe. Dieses ist daher nicht nur in seiner Rolle als Nutzer, sondern auch als Stakeholder Ernst zu nehmen und in die Bemühung um Qualität einzubeziehen.

Qualitätsprofile und empirische Publikumsforschung im Qualitätssicherungssystem des ORF

Sowohl das Konzept des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als auch jenes des Public Value geht über rein marktbezogene Publikumskonzeptionen hinaus und versteht ZuschauerInnen auch als Bürger und Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft, die aktiv in die Programmentwicklung und die Debatte um Medien-Qualitäten einzubeziehen sind.  Der ORF hat den Dialog mit dem Publikum unter anderem in den jährlichen Publikums- und ExpertInnengesprächen institutionalisiert. Auch für die von SORA durchgeführte empirische Evaluation der Qualitätsprofile wird dieser Ansatz übernommen:

  • Dialogische Erhebungsverfahren (Fokusgruppen, teilstrukturierte face-to-face Interviews) gehen über das standardisierte Abfragen von Zufriedenheit hinaus.
  • Das Publikum wird daher nicht nur in seiner Rolle als individuelle KonsumentInnen angesprochen, sondern die Befragten über das eigene Nutzungsverhalten hinaus in die Diskussion über Qualität einbezogen.
  • Das Ziel der empirischen Forschung liegt nicht auf statistisch repräsentativen Angaben zur Verteilung von Merkmalen in einzelnen Zielgruppen, sondern Befragte können ihre Einschätzungen und Bewertungen ausführlich beschreiben und begründen, womit die Redaktionen ein differenziertes und diskursives Feedback aus dem Publikum erhalten.