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SORA-Grundlagenstudie zur elektronischen Demokratie

Was bedeuten die digitale Revolution und der Siegeszug des Internet für Politik und Demokratie? Welche Entwicklungsperspektiven eröffnen sich für die elektronische Verwaltung und für die BürgerInnenbeteiligung, und welche Fallstricke müssen auf der anderen Seite beachtet werden?

Erste Grundlagenstudie zu Internet und politscher Beteiligung in Österreich

Im Auftrag des Bundeskanzleramts hat SORA die erste österreichische Grundlagenstudie zum Zusammenhang von Internet und Demokratieentwicklung durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze sind:

Das Internet erleichtert es den BürgerInnen, sich über Politik zu informieren

Dem Internet wird allgemein eine große Fähigkeit zugeschrieben, das demokratische Zusammenleben positiv zu beeinflussen, es gibt jedoch auch skeptische Stimmen: Verstärkt das Internet die Kluft zwischen politisch Aktiven auf der einen und Desinteressierten auf der anderen Seite, oder bringt es die Politik näher an die breite Bevölkerung heran? Die Ergebnisse der Grundlagenstudie belegen für Österreich Aspekte beider wissenschaftlicher Thesen: Wie eine statistische Pfadanalyse zeigen konnte, fördert die Internet-Revolution nicht von sich aus das politische Interesse, macht es den politisch interessierten UserInnen aber leichter, sich zu informieren.

Beteiligung wird einfacher

Gleichzeitig fördert das Internet indirekte bzw. informelle Formen der politischen Teilnahme, wozu das Unterschreiben von Petitionen, Arbeit für NGOs oder die Teilnahme an lokaler Bürgerbeteiligung zählt. Politische Beteiligung wird erleichtert und soziale Bewegungen können schnell handlungsfähige Strukturen aufbauen, da über soziale Medien Freiwillige und deren Know-How leicht integriert werden können.

Der schnelle Draht zwischen BürgerInnen zu PolitikerInnen

Neben diesem Einfluss auf die Bevölkerung, so die Studie, ist auch ein Einfluss auf die politischen VertreterInnen festzustellen, denn: deren Kontakt mit WählerInnen oder JournalistInnen hat sich durch E-Mail und soziale Medien deutlich intensiviert. Unabhängig von groß angelegten Projekten der E-Partizipation ist gerade hier, im Wandel der alltäglichen Kommunikation, ein bedeutender Einfluss der digitalen Revolution auf die politische Praxis gegeben.

E-Demokratie und E-Partizipation stecken noch in den Kinderschuhen

Obwohl der Einfluss des Internets auf gesellschaftliche Diskurse und demokratische Prozesse spürbar wird, stecken E-Demokratie und E-Partizipation weiterhin in den Kinderschuhen. Gerade im Bereich der E-Partizipation, bzw. konkreten Beteiligungsmöglichkeiten für BürgerInnen wird Verbesserungsbedarf geortet. "E-Voting" wird überhaupt kritisch beäugt: Sowohl ExpertInnen wie die breite Bevölkerung nennen mangelnde Transparenz und Manipulationssicherheit als wichtigste Kritikpunkte.

Vier NutzerInnentypen

Das Internet wird in Österreich von rund 80% der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren genutzt, wobei die Feinanalyse deutliche Unterschiede hinsichtlich Nutzungsintensität und Nutzungsweise zeigt.
Folgende vier Nutzertypen hat SORA mittels einer Clusteranalyse unterschieden sowie untereinander und mit der Gruppe der „Offliner“ verglichen. Die zugrunde liegende Erhebung unter 2.020 ÖsterreicherInnen (online sowie telefonisch) fand im Jänner und Februar 2013 statt.

  • Sporadische NutzerInnen: Sie sind berufstätig, im mittleren Alter (39 Jahre im Schnitt), und nutzen das Medium nur für eine begrenzte Anzahl an Aktivitäten wie E-Mail oder Routenplanung. Sie sind tendenziell am wenigsten allgemein an Politik interessiert und messen politischer Mitbestimmung die geringste Bedeutung zu. Besonders hoch ist in dieser Gruppe der Anteil der NichtwählerInnen.
  • Zweck-NutzerInnen: Ebenfalls berufstätig und im Schnitt 39 Jahre alt, nutzt diese Gruppe das Internet täglich und auch für praktische Anwendungen wie Online-Banking oder tagesaktuelle Information. Das Web 2.0, aber auch politische Beteiligung online, wird von ihnen allerdings kaum in Betracht gezogen. Mit Politik allgemein und Mitsprachemöglichkeiten im Besonderen sind die Zweck-NutzerInnen besonders unzufrieden.
  • Kommunikations-NutzerInnen: Sie sind die jüngste der vier Gruppen (29 Jahre im Schnitt) und man könnte sie als die „Digital Natives“ bezeichnen. Das Internet nutzen sie als selbstverständlichen Teil ihres Alltags, darunter Videos, Online-Spiele und das Web 2.0. Sie sind politisch interessiert und informieren sich auch im Netz, wobei sie der Politik im Allgemeinen tendenziell kritisch gegenüberstehen und mit Parteien im traditionellen Sinn wenig anfangen können. Politische Meinungsäußerung online, so eine deutliche Mehrheit in dieser Gruppe, sollte ausgebaut und ernster genommen werden.
  • Allround-UserInnen: Sie nutzen das Internet ähnlich intensiv wie die KommunikationsuserInnen, sind jedoch älter (35 Jahre im Schnitt) und stehen mehrheitlich im Berufsleben. Online wird ein breites Spektrum an Angeboten verwendet, wobei spaßbetonte Anwendungen allerdings weniger wichtig sind als bei Kommunikations-UserInnen. Politische Information suchen sie sowohl in klassischen Medien als auch im Netz. Politische Mitsprache ist ihnen sehr wichtig und sie haben ein tendenziell positives Politikverständnis. Auf der Ebene von informeller politischer Aktivität sind sie die aktivste Gruppe.
  • OfflinerInnen: Offliner sind in Österreich im Schnitt 64 Jahre alt und mehrheitlich (63 %) bereits in Pension. Trotz vergleichsweise niedrigen formalen Bildungsstands sind sie politisch interessiert und informiert. Ihr Politikverständnis ist stark im klassischen Parteien- und Politiksystem verankert, sie stehen Parteipolitik aber tendenziell negativ gegenüber. Überraschend: Obwohl Offliner das Internet nicht nutzen, ist fast die Hälfte (49 %) der Meinung, dass politische Meinungsäußerung über das Netz ernster genommen werden sollte. (Unter den Internet-NutzerInnen stimmen dieser Aussage zwischen 72% und 84% zu).

Über die Studie

Im Rahmen eines multimethodischen Designs wurde anhand einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage eine Typologie der Internetnutzung in Österreich erstellt. Weiters kamen sekundärstatistische Analysen, Medienanalysen, Interviews mit ExpertInnen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft und eine Analyse des wissenschaftlichen State-of-Art zum Einsatz. Die Studie stellt eine repräsentative Wissensbasis für die Strategieentwicklung in Bereichen wie E-Government und E-Partizipation dar und wurde zum Teil in Kooperation mit dem Institut für E-Governance der Donau-Universität Krems erstellt.

  • Publikation: Ringler, Paul et al. (2013): Internet und Demokratie in Österreich. Grundlagenstudie. SORA Forschungsbericht.