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Analyse der AK-Wahlen 1949-2014

Publikationen

65 Jahre AK-Wahlen in Österreich zwischen Stabilität und Dynamik

  • Florian Oberhuber/ Andreas Holzer/ Günther Ogris/ Martina Zandonella: Arbeiterkammerwahlen in Österreich 1949–2014. SWS Rundschau 4/2014, 385-401. (www.sws-rundschaut.at)
  • Dokumentation der Wahlergebnisse auf der AK-Homepage (weiter)

Die österreichischen Arbeiterkammerwahlen, wie sie von Beginn an bereits für alle Kammerzugehörigen unabhängig von deren Staatsangehörigkeit eingerichtet waren, sind bislang wissenschaftlich noch nicht umfassend untersucht worden. SORA hat diese Forschungslücke nun auf Basis einer erstmals vorliegenden, vollständigen Dokumentation der Ergebnisse der Arbeiterkammerwahlen in der Periode 1949 bis 2014 geschlossen.

Wahlen als Spiegel sozialer Dynamik

Die untersuchten Wahlergebnisse spiegeln langfristige Trends in der Arbeitswelt, der Struktur des Elektorats und der politischen Kultur in Österreich. Auch wirtschaftliche Umbrüche machen sich immer wieder in den Wahlergebnissen bemerkbar: Kurzarbeit, Personalabbau, Lohnverluste oder Auslagerungen mobilisieren Protestlisten. Der Strukturwandel der Wirtschaft – der Trend zu Teilzeit und atypischen Beschäftigungsverhältnissen, die steigende Fluktuation am Arbeitsmarkt, die Arbeitsmigration und der Trend zu Klein- und Mittelbetrieben – erschweren die Mobilisierung der Wahlbeteiligung.

Hohe Stabilität in den Länderkammern

Im Gesamtüberblick über die Wahlergebnisse im untersuchten Zeitraum von über 60 Jahren fällt die im Vergleich zu allgemeinen politischen Wahlen höhere Stabilität in den Länderkammern auf: Trotz unterschiedlicher und wechselnder Mehrheitsverhältnisse in den Landtagen kam es seit 1949 nur in Tirol und in Vorarlberg zu einem politischen Machtwechsel, wo sich die dominante Landespartei auch in der Arbeiterkammer durchsetzen konnte.

Proteste und Reformen

Trotz dieser Stabilität sind Wahlen nicht ohne Auswirkung: Proteststimmungen haben mehrfach Reformen der Arbeiterkammern ausgelöst – etwa den starken Ausbau von Beratungstätigkeit und Rechtsvertretung –, bzw. bleibt die Interessensvertretung aufgrund der Wahlen nachhaltig auf den Erhalt von Vertrauen und Legitimität unter den Mitgliedern angewiesen. Für die vergangenen Jahre zeigen sozialwissenschaftliche Daten durchwegs eine hohe Zufriedenheit der Mitglieder mit den Kammern sowie im Vergleich zu anderen Organisationen und Akteuren ein ausgesprochen hohes Institutionenvertrauen. Die Arbeiterkammern konnten sich so von Wellen des Misstrauens und der Politikverdrossenheit in der Bevölkerung deutlich entkoppeln.

Herausforderungen im Wandel

Für die Zukunft stellt sich die wachsende praktische Herausforderung, eine hochgradig diverse und mobile ArbeitnehmerInnenschaft in den Betrieben, in der Kommunikation und letztlich im Vorfeld der AK-Wahlen zu erreichen und anzusprechen. Die Arbeiterkammern tun dies auf einen Seite mittels organisatorischer Maßnahmen wie etwa der Förderung von Betriebsratsgründungen, der Einsprengelung auch kleinerer Betriebe oder dem gezielten Ansprechen neuer Zielgruppen in der Kommunikation (z.B. ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund oder in atypischen Beschäftigungsverhältnissen).
Auf der anderen Seite bleiben die Arbeiterkammern und die Fraktionen in der AK weiterhin und vermehrt gefordert, in ihrer inhaltlichen Arbeit und ihren politischen Forderungen dem Wandel in der Arbeitswelt gerecht zu werden und für alle Mitglieder ihren Auftrag der Interessensvertretung glaubwürdig zu erfüllen.

Bild: AKNÖ Vollversammlung, (c) AKNÖ/Mannsberger