Landtagswahl Burgenland 2015

Das Burgenland hat gewählt. SORA analysierte die Landtagswahl vom 31.5.2015 auf Basis der Daten der Wählerstromanalyse sowie der ISA/SORA Wahltagsbefragung unter 1.207 Wahlberechtigten.

Wahlanalyse im Detail

Durchwachsene Stimmung im Land

Vor der Landtagswahl ist die Stimmung im Burgenland durchwachsen:
Rund vier von zehn Befragten (43%) sehen die Entwicklung des Landes seit der letzten Landtagswahl eher positiv, 17% eher negativ und rund vier von zehn (39%) sagen, es hat sich nichts verändert.
Dabei blicken etwas mehr als ein Viertel (28%) eher mit Zuversicht in die Zukunft; ein gutes Drittel (35%) ist besorgt und rund ebenso viele (36%) blicken neutral in die Zukunft.

Zufriedenheit mit Landes- und Bundesregierung

Mit der Landesregierung sind insgesamt 64% der Befragten eher oder sehr zufrieden gegenüber 32% Unzufriedenen. – Die größte Zufriedenheit herrscht dabei unter SPÖ-, die größte Unzufriedenheit unter FPÖ-WählerInnen.
Die Landesregierung schneidet damit deutlich besser ab als die Bundesregierung, mit deren Arbeit nur 42% sehr/eher zufrieden sind.

Wahlverhalten nach Beurteilung der Entwicklung des Burgenlandes

Starke Unterschiede im Wahlverhalten zeigen sich je nachdem, wie Befragte die Entwicklung der letzten 5 Jahre einschätzen:

  • So erreicht die SPÖ unter jenen, die eine positive Sicht der letzten Periode haben, 60%, gefolgt von der ÖVP mit 26% und der FPÖ mit nur 7%.
  • Unter jenen, die Entwicklung negativ sehen, erreicht hingegen die FPÖ 49% vor der ÖVP mit 23% unt der SPÖ mit 10%.
  • Unter jenen die sagten, dass sich das Land nicht verändert hat, wählten 37% ÖVP, 33% SPÖ und 13% FPÖ.

Wahlmotive

SPÖ überzeugt mit Spitzenkandidaten und geleisteter Arbeit

Rund zwei Drittel (68%) der SP-WählerInnen sehen die Entwicklung des Burgenlandes positiv.
Die wichtigsten Wahlmotive für Anhänger der SPÖ waren dabei der Spitzenkandidat (90% Zustimmung) und die bisherige Arbeit der Partei im Bundesland (87% Zustimmung).
Inhaltlich gaben jeweils etwas mehr als ein Drittel der SPÖ-WählerInnen an, im Wahlkampf über Wirtschaft und Arbeitsplätze, Sicherheit und Kriminalität, Gesundheit und Pflege sowie die Kosten des täglichen Lebens sehr häufig diskutiert zu haben.

Für ÖVP-WählerInnen Team ebenso wichtig wie Spitzenkandidat

Rund vier von zehn ÖVP-WählerInnen (42%) sehen die Entwicklung des Landes eher positiv, rund ebenso viele (44%) geben an, die Entwicklung neutral zu bewerten.
Hinsichtlich der abgefragten Wahlmotive könnte die ÖVP ihre WählerInnen im Vergleich mit der SPÖ deutlich weniger stark durch den Spitzenkandidaten überzeugen. Vielmehr waren als Motive der Spitzenkandidat (71%), das beste Team (75%) sowie die besten Vorschläge für die Zukunft des Bundeslandes (73%) in etwa gleich wichtig.
Unter den Wahlkampfthemen haben ÖVP-WählerInnen insbesondere Wirtschaft und Arbeitsplätze (48%) intensiv diskutiert, gefolgt von Sicherheit und Kriminalität (36%).

FPÖ spricht - überwiegend männliche - Unzufriedene an

Ähnlich wie bei vergangenen Wahlen zeigt sich auch im Burgenland eine starke Unzufriedenheit unter FPÖ-WählerInnen: 52% sehen die Entwicklung des Burgenlandes eher negativ (gegenüber 20% positiv und 27% neutral). Mehr als zwei Drittel der FPÖ-AnhängerInnen (68%) blicken mit Sorge in die Zukunft.
Wichtiges Wahlmotiv für FPÖ-AnhängerInnen war, dass die Partei die größte Glaubwürdigkeit zur Kontrolle von Missständen habe (81% Zustimmung).
Inhaltlich beschäftigte Zuwanderung und Integration FPÖ-WählerInnen wesentlich stärker als andere Befragte (von 67% sehr häufig diskutiert). Sicherheit und Kriminalität haben 64% der FPÖ-WählerInnen und die Beschäftigung von Ausländern 53% im Wahlkampf intensiv besprochen.

Grüne mit Kontrollmotiv und Zukunftskompetenz

Für Grün-WählerInnen waren die Kontrolle von Missständen (89%) und die besten Vorschlägen für die Zukunft (82%) die wichtigsten Gründe für eine Stimme für die Grünen.
Inhaltlich diskutierten sie im Wahlkampf Umweltschutzthemen (59%) sowie Bildung und Schule (49%)

  • Im Vergleich der Parteien wurden SPÖ und ÖVP stärker für ihre Kandidaten, das Team und die bisherige Arbeit gewählt. Für WählerInnen von FPÖ und Grünen war die Kontrolle von Missständen durch diese Parteien deutlich wichtiger, den Grünen wurden zudem auch gute Vorschläge für die Zukunft des Burgenlandes von ihren UnterstützerInnen zugeschrieben.
  • Personen, die eine negative Entwicklung des Burgenlandes in den vergangenen Jahren sehen, diskutierten öfter über Zuwanderung und Integration. Das gilt auch für jene Befragten, die besorgt in die Zukunft sehen. Zuversichtliche haben sich demgegenüber mehr mit den Themen Bildung und Schule sowie Wirtschaft und Arbeitsplätze beschäftigt.

Wer hat wen gewählt?

Ausgeprägte Unterschiede nach Geschlecht und Altersgruppen

Einmal mehr zeigt die Wahltagsbefragung, dass die FPÖ überwiegend Männer ansprechen konnte, während Grüne und die SPÖ mehr weibliche Wählerinnen haben.
Unter den Jungen (bis 29 Jahre) sind diesmal insbesondere die Grünen überdurchschnittlich stark und liegen noch vor ÖVP und FPÖ auf dem zweiten Platz in dieser Altersgruppe.
In der Gruppe der ab 60-Jährigen schneidet die SPÖ mit 53% besonders stark ab.

Wahlverhalten nach Berufsgruppen

Die Unterscheidung nach Berufsgruppen zeigt ein starkes Abschneiden der SPÖ unter ArbeiterInnen mit 52% in dieser Gruppe, gefolgt von der FPÖ mit 34%. Unter Angestellten liegt die ÖVP mit 31% nur knapp hinter der SPÖ mit 35%. Selbständige und Landwirte wählten überdurchschnittlich die ÖVP.

Wahlverhalten nach formaler Bildung

In der Unterscheidung nach formaler Bildung liegt die SPÖ unter Personen mit maximal Pflichtschulabschluss sowie Lehre deuthlich voran, während die ÖVP unter Personen mit BMS-Abschluss besonders stark abschneiden konnte.