"Authoritarianism, History and Democratic Dispositions in Austria, Czech Republic, Hungary and Poland", hg. von Oliver Rathkolb und Günter Ogris, Studienverlag 2010.
Wien (SORA). Am Montag, 28.6.2010, präsentierten Günther Ogris (SORA), Oliver Rathkolb (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) und Rossalina Latcheva (Universität Zürich) im Wiener Presseclub Concordia die Ergebnisse einer Studie zu Autoritarismus, Demokratie und Geschichtsbewusstsein in Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn. Das Buch „Authoritarianism, History and Democratic Dispositions in Austria, Poland, Hungary and the Czech Republic“ fasst die Ergebnisse der vom ZukunftsFonds und dem Bundeskanzleramt geförderten Studie zusammen.
SORA-Geschäftsführer Günther Ogris:
„Bildung und die Fähigkeit zu lernen, erleichtern den Menschen die Orientierung in der komplexen Welt von heute und führen daher zu einer Abschwächung autoritärer Unterwürfigkeit sowie aggressiv-autoritärer Einstellungen gegenüber Anderen und Außenseitern. Auch die offene Auseinandersetzung mit dunklen Kapiteln in der eigenen Geschichte kann mit zu einer toleranten demokratischen Kultur beitragen.“
Autoritäre Dispositionen in Österreich vergleichsweise wenig verbreitet
Nach einem starken Rückgang seit den 1980er Jahren sind ab 2004 autoritäre Einstellungen in der österreichischen Bevölkerung wieder leicht angestiegen. Im Ländervergleich zeigt sich für Österreich jedoch eine vergleichsweise geringere Verbreitung sowohl autoritärer Unterwürfigkeit als auch aggressiv-autoritärer Dispositionen. Dennoch werden insbesondere autoritäre Maßnahmen gegen Verbrechen und für Recht und Ordnung von etwas mehr als der Hälfte der Befragten in Österreich befürwortet.
Autoritäre eher orientierungslos
In allen untersuchten Ländern zeigt sich, dass insbesondere „autoritäre Unterwürfigkeit“ (als eine Subdimension von Autoritarismus) signifikant die Orientierungslosigkeit der befragten Personen verstärkt. Darüber hinaus zeigen diese Personen eine verstärkte Akzeptanz von Formen des neuen politischen Autoritarismus wie etwa dem Verbot politischer Proteste (z.B. Demonstrationen, Streiks).
Kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit fördert Demokratie
Trotz der unterschiedlichen Rolle der Kriegsgesellschaften in den untersuchten Ländern zeigt sich ein gemeinsamer Trend, dass die Abwehr der Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung in der eigenen Geschichte auch mit autoritären politischen Einstellungen in der Gegenwart einhergeht.
Dieses Ergebnis zeigt die wichtige Rolle einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen kollektiven Vergangenheit für die Konstituierung und Festigung eines demokratischen Selbstverständnisses.
Die Presseunterlage steht hier zum Download bereit (PDF).

