Nationalratswahl 2017

Wahlverhalten nach Zufriedenheit mit der Bundesregieurng

Österreich hat gewählt.SORA analysiert die Wahl auf Basis der Daten der Wählerstromanalyse sowie der ORF/SORA/ISA Wahltagsbefragung unter 1.219 Wahlberechtigten (zur Methodik).

Stimmung vor der Wahl: Unzufriedenheit und Wunsch nach Veränderung

Wie die Wahltagsbefragung zeigt, prägten Unzufriedenheit und der Wunsch nach Veränderung die Stimmung vor dieser Wahl:

  • Gefragt nach der Entwicklung Österreichs in den vergangenen fünf Jahren, sagen über vier von zehn Befragten (45%), dass das Land sich eher negativ entwickelt habe. Nur 17% sehen eine positive Entwicklung und 37% sagen, dass sich nichts verändert hat.
  • Mit der Arbeit der Bundesregierung sind dementsprechend 46% wenig und 26% gar nicht zufrieden.

Der FPÖ und der Liste Sebastian Kurz ist es bei dieser Wahl am besten gelungen, diese Stimmung in Wählerstimmen umzusetzen:

  • Mit 35% schneidet die FPÖ in der Gruppe jener, die mit der Arbeit der Regierung unzufrieden sind, am besten windows phone pelit ab, knapp vor der ÖVP mit 34% und der SPÖ mit 14%.
  • Damit kann die Liste Kurz neben traditionellen, bürgerlichen und ländlichen Wählergruppen auch Proteststimmen gewinnen.

Weitere Wahlmotive

Liste Kurz mit Personalisierungs-Strategie

Gefragt nach dem „Hauptgrund“ für ihre Wahlentscheidung, gaben 42% der Kurz-WählerInnen das Motiv „der Spitzenkandidat“ an. Weit dahinter folgen mit 15% der Nennungen die Motive „inhaltliche Standpunkte“ sowie „der Spitzenkandidat soll Kanzler werden“ (11%).
Am meisten diskutierte Themen im Wahlkampf waren unter Kurz-WählerInnen „Asyl und Integration“ (55%) gefolgt von „Sozialleistungen“ (41%).

SPÖ: Kandidat und Inhalte gleich wichtig

Für SPÖ-WählerInnen waren diesmal sowohl der Spitzenkandidat (20%) als auch die inhaltlichen Standpunkte der Partei (22%) etwa gleich wichtig für ihre Wahlentscheidung.
Im Wahlkampf diskutierten sie am häufigsten über Sozialleistungen (57%), Asyl und Integration (48%) sowie Arbeitsplätze (45%).

FPÖ: Protest und Zukunftspessimismus  

86% der FPÖ-WählerInnen sehen die Entwicklung der vergangenen 5 Jahre negativ und 81% blicken pessimistisch in die Zukunft, d.h. sie sagen, die junge Generation wird es in Zukunft einmal schlechter haben.
WählerInnen der FPÖ gaben als Hauptgrund für ihre Wahlentscheidung vor allem die inhaltlichen Standpunkte der Partei an (34%) gefolgt von der Kontrolle von Missständen (12%).
Häufig diskutierte Wahlkampf-Themen waren unter den FPÖ-WählerInnen Asyl und Migration (88%), Sicherheit (69%) und Sozialleistungen (60%).

Separate Auswertungen für die anderen Parteien sind aufgrund der Stichprobengrößen nicht möglich.

Wer hat wen gewählt?

Die Wahltagsbefragung zeigt bei dieser Wahl deutliche Unterschiede im Wahlverhalten unterschiedlicher soziodemographischer Gruppen.

Gender Gap: Männliche „Rechte“ und weibliche „Linke“

Im Wahlverhalten nach Geschlecht zeigt sich: Frauen haben bei dieser Wahl überdurchschnittlich für SPÖ und Grüne, Männer hingegen für ÖVP und FPÖ gestimmt.

Unterschiede nach Alter

ÖVP und SPÖ erzielten bessere Resultate unter Älteren (60+) als Jüngeren (Bis-29-Jährige), FPÖ und Grüne schnitten hingegen unter Jüngeren besser ab.

Wahlverhalten nach Erwerbsstatus

Unter ArbeiterInnen liegt bei dieser Wahl die FPÖ mit 59% der Stimmen klar vor SPÖ (19%) und ÖVP (15%).

  • Damit kann die FPÖ die Stimmung in dieser Gruppe am besten nutzen: Über 80% der ArbeiterInnen sind mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden, und 54% sehen Österreich als „eher ungerechtes“ Land.

Unter Angestellten liegt die Liste Kurz mit 31% vor SPÖ und FPÖ mit je 26%.
Unter Selbständigen erzielt sie 41%.

Wahlverhalten nach formaler Bildung

Unter Personen mit maximal Pflichtschulabschluss liegen bei dieser Wahl SPÖ und FPÖ mit 33% gleichauf vor der ÖVP mit 25%.

Personen mit Lehrabschluss haben mit 37% überdurchschnittlich FPÖ gewählt.
Unter Personen mit Matura oder Universitätsabschluss liegt die Liste Kurz mit 38% vor der SPÖ (27%).

Welche Parteien in die Regierung?

Gestellt wurde auch die Frage, welche Parteien sich die Befragten in einer künftigen Regierung wünschen (Mehrfachantworten waren möglich).

Von allen Befragten wünschten sich 64% die ÖVP, 44% die SPÖ, und 43% die FPÖ in einer Regierung. Im Detail:

  • SPÖ-WählerInnen wünschten sich neben der SPÖ auch die Grünen (41% der befragten SPÖ-WählerInnen)  und die ÖVP (36%) in der Regierung.
  • ÖVP-WählerInnen nannten neben der ÖVP vor allem die FPÖ (39% der befragten ÖVP-WählerInnen) und die NEOS (24%)
  • FPÖ-WählerInnen wünschten sich zur FPÖ vor allem die ÖVP (60% der befragten FPÖ-WählerInnen) und weit dahinter die SPÖ (12%).